Warum dieses Thema mir wichtig ist
Es gibt wenige Dinge, die mich als Trailrunnerin mehr nervös machen als dichter Nebel auf einer Höhenroute – und doch sind es genau solche Situationen, in denen Vorbereitung und Ruhe den grössten Unterschied machen. Ich erinnere mich an einen Herbstlauf im Jura, als die Sicht binnen Minuten von 50 auf unter 5 Meter sank. Mein GPS hatte gerade einen kurzen Aussetzer, und ich war froh, dass ich meine Karte und meinen Kompass dabei hatte. Seitdem habe ich meine Routinen verfeinert und ein paar praktische Tricks gesammelt, die ich hier teilen möchte.
Die Grundregel: Planung vor dem Start
Navigation ohne Elektronik beginnt lange bevor du losläufst. Ich plane meine Touren immer mit einer Papierkarte (Swisstopo oder Kompass-Karten) und markiere kritische Punkte: Übergänge, Jumps, Wasserquellen und mögliche Fluchtwege ins Tal. Wenn ich allein unterwegs bin, informiere ich jemanden über meine geplante Route und die grobe Rückkehrzeit. Bei Schlechtwetterprognosen wähle ich eher kürzere, tiefer gelegene Strecken oder verzichte ganz aufs Laufen.
Karte und Kompass: die Basics auffrischen
Auch wenn ein Smartphone praktisch ist, ersetzt es nicht die Fähigkeit, Karte und Kompass zu lesen. Ich trage immer einen leichten Silva- oder Suunto-Kompass bei mir – Modell ohne Schnickschnack, robust und mit markierter Nordrichtung. Übe regelmässig zu Hause: Peile Berge oder Hügel an, übertrage Peilungen auf die Karte und lauf bewusst nach Kurs.
Praxis-Tipps zur Orientierung im Nebel
Wenn die Sicht schlechter wird, gelten bei mir folgende Schritte:
Orientierung ohne Karte: Gelände lesen
Manchmal liegt keine Karte zur Hand. Dann hilft es, das Gelände zu lesen:
Orientierung an Markierungen und Trittsiegeln
Auf Schweizer Trails gibt es oft Wegzeichen, Steinmanndli (Steinhaufen) oder Markierungen auf Bäumen und Felsen. Im Nebel sind diese oft die einzigen sicheren Hinweise. Achte auf:
Gruppenführung und Kommunikation
Bei Nebel laufe ich nie alleine, wenn die Route technisch ist. In der Gruppe gilt:
Signalisieren und Rettung
Sollte die Situation unsicher werden, sind Signale wichtig. Ich habe immer eine Signalpfeife (z. B. Fox 40) dabei und weiß die lokalen Notfall-Nummern. Drei kurze Pfiffe sind international ein Notsignal. Wenn möglich, bleibe an einem sicheren Ort sichtbar – weisse oder reflektierende Dinge an einem Stock befestigen können Suchmannschaften helfen.
Ausrüstung, die wirklich hilft
Eine passende Ausrüstung macht die Navigation leichter. Hier eine kurze Übersicht, die ich praktisch finde:
| Gegenstand | Warum ich ihn mitnehme |
| Papierkarte (Swisstopo) | Unabhängig von Akku; präzise Höhenlinien |
| Kompass (Silva/Suunto) | Robust und zuverlässig für Peilungen |
| Signalpfeife (Fox 40) | Lautes Notsignal, funktioniert auch bei Nebel |
| Headlamp mit rotem Licht | Orientierung und Signalisierung bei schlechter Sicht oder Nacht |
| Notfallfolie & Extra-Schicht | Schutz bei Kälte oder wenn man länger warten muss |
Training für schlechte Sicht
Navigation ist wie jede andere Fähigkeit: Übung macht den Meister. Ich übe bewusst Touren bei reduzierter Sicht (z. B. im Nebel oder Dämmerlicht) und baue Navigationseinheiten in mein Training ein: Peilungen, Schrittzählung und das Lesen von Höhenlinien. Kleine Trainingsaufgaben, wie ein Punkt auf der Karte anzulaufen ohne GPS, helfen sehr.
Entscheidungsregeln: Abbruchkriterien
Eine gute Entscheidung ist oft die sicherste. Bei mir gibt es klare Kriterien, wann ich umdrehe oder einen alternativen Plan wähle:
Meine letzten Gedanken vor dem Aufbruch
Jede Tour ist ein Abwägen von Risiko und Erlebnis. Nebel kann ein magischer Moment sein, der die Landschaft verwandelt – dennoch sollten wir die Natur respektieren und unsere Grenzen kennen. Mit den hier beschriebenen Routinen und etwas practice lässt sich die Wahrscheinlichkeit reduzieren, sich zu verirren. Und falls doch etwas passiert: Ruhe, Übersicht und ein paar einfache Tools sind oft alles, was du brauchst, um sicher heimzukommen.