Bei intensiven Berganstiegen kann mich kein Panorama so glücklich machen wie der Moment, in dem ich noch genügend Energie habe, um die Technik sauber durchzuziehen und den letzten steilen Hang zu geniessen. Gleichzeitig habe ich schon zu oft erlebt, wie schnell ein Energietief (das gefürchtete "Bonk") auftauchen kann: Beine schwer, Kopf leer, Tempo weg. In diesem Artikel teile ich meine Praxisempfehlungen zur täglichen Kohlenhydrat- und Salzversorgung für 3–6 Stunden lange, intensive Trailruns mit vielen Aufstiegen – mit konkreten Zahlen, Beispielplänen und pragmatischen Verpflegungsideen, die ich selbst getestet habe.
Grundprinzipien: Warum Kohlenhydrate und Natrium so wichtig sind
Kohlenhydrate sind die schnellste Energiequelle bei hoher Belastung. Bei intensiven Anstiegen greift der Körper stark auf die Glykogenspeicher in Muskulatur und Leber zurück. Sind diese leer, kommt das Energiecrash. Natrium (Salz) ist entscheidend für die Flüssigkeitsverteilung, Nerven- und Muskelfunktion. Bei starkem Schwitzen ohne ausreichend Natrium steigt das Risiko für Muskelkrämpfe, reduzierte Leistungsfähigkeit und Kopfschmerzen.
Wie viel Kohlenhydrate pro Stunde?
Die Faustregel für Ausdauersport bei hoher Intensität lautet: 60–90 g Kohlenhydrate pro Stunde für Läufe, die 3–6 Stunden dauern. Auf extrem langen Events oder ultra-intensiven Belastungen können gut trainierte Athleten sogar bis zu 90–120 g/h nutzen, wobei die häufigste und gut verträgliche Spanne 60–90 g/h ist.
Warum diese Bandbreite? Die Magen-Darm-Verträglichkeit, Trainingszustand und die verwendete Kohlenhydratkombination (z. B. Glukose + Fruktose) bestimmen, wieviel du tatsächlich aufnehmen kannst. Produkte wie Maurten, SIS Go Isotonic oder Tailwind nutzen oft Mischungen, die hohe Raten ermöglichen.
Vortag und Startmahlzeit – Glycogen optimieren
Die Tagesration beginnt bereits am Vortag. Ich empfehle:
Diese Strategie füllt die Glykogenspeicher auf und reduziert das Risiko für frühe Leistungseinbrüche.
Salzbedarf – wie viel Natrium pro Stunde?
Der Natriumbedarf ist sehr individuell und hängt vom Schwitzverhalten ab. Als grobe Richtlinie:
Ich messe meinen Salzverlust nicht wissenschaftlich, aber ich beobachte die Farbe meiner Schweißspuren auf Kleidung und die Häufigkeit von Krämpfen: Wenn ich sichtbare Salzkristalle am Shirt habe oder öfter Krämpfe spüre, erhöhe ich meine Zufuhr.
Praxisbeispiele: Rechenbeispiele für 65 kg und 80 kg Läuferinnen
| Runner | Dauer | Kohlenhydrate/h | Gesamt-CHO | Natrium/h | Gesamt-Natrium |
|---|---|---|---|---|---|
| 65 kg, moderat trainiert | 3 h | 60 g | 180 g | 500 mg | 1500 mg |
| 65 kg, sehr intensiv/bergig | 4 h | 75 g | 300 g | 700 mg | 2800 mg |
| 80 kg, gut trainiert | 5 h | 75 g | 375 g | 600 mg | 3000 mg |
| 80 kg, sehr heiss & viel Schwitzen | 6 h | 90 g | 540 g | 900 mg | 5400 mg |
Diese Zahlen sind als Startpunkt zu verstehen. Teste im Training – nie erstmals im Wettkampf.
Konkrete Verpflegung: Was ich unterwegs esse und trinke
Meine Ausrüstung besteht meist aus einer Laufweste mit zwei Softflasks (je 500 ml) und kleinen Taschen für Gels, Riegel und Elektrolyte. Vorlieben:
Marken, die ich oft nutze: Maurten (Drink Mix & Gels), Tailwind (komplettes Nahrungskonzept), SIS (Gels & Isotonic), High5, Hammer Nutrition. Mir ist wichtig, Produkte zu wählen, die ich gut vertrage. Maurten etwa erlaubt durch die Hydrogel-Technologie oft hohe CHO-Raten ohne Magenprobleme.
Timing & Kombinationen für bessere Aufnahme
Die Kombination von verschiedenen Kohlenhydratarten erhöht die Aufnahmerate: Glukose + Fruktose im Verhältnis ~2:1 erlaubt höhere g/h-Rates. Viele Gels und Getränke nutzen dieses Prinzip. Ich plane meine Einnahmen so, dass ich kontinuierlich Energie liefere und grosse „Löcher“ vermeide:
Praktische Checkliste für Trainings- und Renntag
Was ich aus eigenen Fehlern gelernt habe
Früher dachte ich, ein grosses Gel kurz vor dem Gipfel reiche. Ergebnis: flauer Magen, keine unmittelbare Wende. Jetzt verteile ich die Energie gleichmässig und kombiniere Gel + Salz in längeren Etappen. Ebenfalls habe ich gelernt, dass allein Wasser bei intensiven Anstiegen riskant ist – Elektrolyte sind Pflicht. Und schliesslich: nie am Wettkampftag etwas Neues essen.