Warum das richtige Energie‑ und Salzsetup so wichtig ist

Alpine 4–6‑Stunden‑Trails sind eine Gratwanderung zwischen hoher Intensität, langen Anstiegen, wechselnden Temperaturen und oft begrenzter Möglichkeit, Nachschub zu bekommen. Ich spreche aus Erfahrung: Wenn die Magenbahn rebelliert oder die Muskeln krampfen, ist das Rennen oder die Tour schnell gelaufen. Deshalb ist mein Ziel immer dasselbe – ein Setup, das verlässlich Energie liefert, den Elektrolythaushalt stabil hält und den Magen schont.

Grundprinzipien, die ich immer befolge

Bevor ich ins Detail gehe, hier die Regeln, nach denen ich meine Strategie aufbaue:

  • Testen im Training: Alles, was ich am Renntag essen will, habe ich zuvor mehrfach in langen Trainingsläufen ausprobiert.
  • Small & often: Kleine Mengen regelmäßig nehmen statt grosse Portionen selten – das reduziert Magenstress.
  • Flüssigkeitsbalance: Energiezufuhr und Flüssigkeit gehören zusammen. Zu süsse, unverdünnte Gels ohne genug Wasser verursachen oft Übelkeit.
  • Elektrolyte pro Stunde planen: Ich habe eine Zielzone von etwa 300–600 mg Natrium pro Stunde für alpine Trails – je nach Schwitzen, Klima und Veranlagung.
  • Variieren, aber nicht zu wild: Verschiedene Texturen (Gel, Riegel, Trinkpulver) helfen, Appetitverlust vorzubeugen – aber ich kombiniere nur zwei bis drei Produktarten pro Lauf.
  • Was mein Magen mag – und was nicht

    Meine persönliche Erfahrung: sehr zuckerhaltige, stark aromatisierte Produkte schlagen bei mir schneller auf den Magen. Gels mit reinem Zucker oder hohen Maltodextrinanteilen funktionieren gut, solange sie ausreichend mit Wasser eingenommen werden. Fett- und proteinreiche Snacks (z. B. Nussriegel) mag ich nur in kleinen Mengen und vorzugsweise in flacheren Abschnitten, weil sie langsamer verdauen.

    Tipps, um Magenprobleme zu vermeiden:

  • Immer etwas trinken mit jedem Gel – ideal 100–150 ml, nie nur einen Schluck.
  • Wenn ich den Magen spüre, wechsle ich auf salzigeres, weniger süsses Zeug (Brühe, Salzstangen, Elektrolytpulver).
  • Caffeine dosiere ich bewusst: 50–100 mg in den letzten 60–90 Minuten kann helfen, aber zuviel reizt den Magen.
  • Gels, Riegel, Elektrolyte – meine bevorzugte Kombination

    Für 4–6 Stunden alpine Trails habe ich ein favorisiertes Set, das ich an meine Bedürfnisse anpasse:

  • Gels: 1 Gel alle 30–45 Minuten, je nach Energiebedarf. Ich greife zu Gels mit einer Mischung aus Glukose/Maltodextrin und etwas Fruktose, z. B. Maurten Gel oder High5 Energy Gel. Diese Gels vertrage ich gut, wenn ich sie mit 100–150 ml Wasser nehme.
  • Riegel/Gels mit fester Konsistenz: Ein halber Riegel (z. B. Clif Shot Bloks oder HOKA Energy Bar) nach 90–120 Minuten, wenn ich was zum Kauen will. Nur kleine Portionen – Vollriegel sind oft zu schwer verdaulich.
  • Elektrolyte: Ich habe immer ein Trinksystem mit Elektrolytpulver (z. B. Nuun, LMNT, or Tailwind) in meiner Flasche — dosiert, um pro Stunde 300–600 mg Natrium zu erreichen. In hitzigen Bedingungen oder bei hoher Salzverlust‑Empfindlichkeit tendiere ich zu 600 mg/h, sonst näher an 300 mg/h.
  • Salzige Snacks/Brühe: Für mentale und physiologische Erfrischung habe ich kleine salzige Snacks (z. B. Salzstangen, kleine Käsewürfel, Beef Jerky) oder Instant‑Brühe in Pulverform dabei. Brühe hilft schnell gegen Übelkeit und Krämpfe.
  • Wie ich die Menge berechne

    Ein praktisch‑anwendbares Beispiel für einen 5‑Stunden‑Trail:

    Pro Stunde Kalorien (ca.) Natrium Flüssigkeit
    Stunde 1 150–200 kcal (Gel + 150 ml Getränke) 300 mg 400–600 ml
    Stunde 2–4 150–250 kcal/h (Gel + halber Riegel zw. 2–3h) 300–600 mg/h 400–600 ml/h
    Letzte Stunde 150 kcal (evtl. koffeinhaltiges Gel) 300 mg 300–500 ml

    Das ergibt insgesamt in etwa 800–1.200 kcal und 1.500–2.500 mg Natrium über 5 Stunden – abhängig von Tempo, Schwitzen und Temperatur. Diese Werte passe ich individuell an.

    Praktische Taktiken gegen Übelkeit

    Wenn der Magen zwickt, ist schnelles Gegensteuern wichtig. Ich nutze folgende Strategien:

  • Sofort auf weniger süsse, salzige Nahrungsquellen wechseln (Brühe, Salzstangen).
  • Weniger Flüssigkeit pro Löffel – kleine Mengen öfter trinken statt grosse Schlucke.
  • Bei Kälte warme Brühe bevorzugen; Wärme beruhigt den Magen.
  • Langsamer essen und gehen: Ich gehe kurze Abschnitte bewusst langsam, bis der Magen sich beruhigt hat.
  • Natürliche Mittel wie Ingwerbonbons können helfen, leichte Übelkeit zu lindern.
  • Trainingsplan zum Testen deines Setups

    Vor einem wichtigen Rennen teste ich mein Setup mindestens drei Mal in langen Einheiten:

  • Ein 2‑3‑Stunden‑Lauf: Basisprodukte ausprobieren (Gel + Elektrolytpulver).
  • Ein 3–4‑Stunden‑Lauf: Kombination Gel + halber Riegel + Salzprobe.
  • Ein 4–5‑Stunden‑Simulationslauf mit dem genauen Equipment und in ähnlichen Temperaturbedingungen wie am Renntag.
  • Notiere, was funktioniert hat: Zeitpunkt, Menge, Magenreaktion, Energielevel. Anpassungen mache ich schrittweise.

    Marken und Produkte, die ich empfehle (persönliche Auswahl)

    Einige Produkte, die ich auf Trails immer wieder benutze und empfehle, weil ich sie vertrage:

  • Maurten Gel – gut verträglich, weniger stark aromatisiert.
  • High5 Energy Gel – klassische Formel, funktioniert mit genug Wasser.
  • Tailwind oder Maurten Drink Mix – Kombi aus Kalorien + Elektrolyten in einer Flasche.
  • LMNT – Elektrolytpulver mit hohem Natriumanteil für sehr schweisstreibende Tage.
  • Instant‑Gemüse- oder Knochenbrühe in Portionsbeuteln – Rettung bei starkem Salzverlust oder Übelkeit.
  • Fehler, die ich gelernt habe zu vermeiden

    Aus den vielen Trainings und Rennen habe ich klar gelernt, welche Fehler zu vermeiden sind:

  • Nie am Renntag etwas Neues ausprobieren.
  • Nicht nur auf süsse Energie setzen – Salziges gehört dazu.
  • Kein zu schweres Essen in Bergen, sonst verlangsamt die Verdauung.
  • Keine zu hohe Koffeinmenge zu Beginn – dosieren und spät einsetzen.
  • Persönliche Faustregel

    Meine persönliche Faustregel lautet: "Stabil, regelmässig, getestet." Wenn ich mich daran halte, bleiben Energielevel, Magen und Stimmung meistens stabil – und ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren: die Landschaft, das Laufen und die Freude am Trail.