Für alpine Läufe von 4–6 Stunden habe ich über die Jahre ein Ernährungs-Setup entwickelt, das meinen Magen schont und mir konstante Energie liefert. Gerade im Gebirge reagieren Magen und Darm anders: kalte Temperaturen, Höhenmeter, wechselnde Belastung (steile Anstiege vs. technisches Gelände) und Stress können Übelkeit oder Unverträglichkeiten auslösen. In diesem Beitrag teile ich mein persönliches System mit Gels und Elektrolyten, das sich in Trainings und Rennen bewährt hat – inkl. konkreter Mengen, Timing und praktischer Tipps.

Grundprinzipien, die mir helfen

Bevor ich ins Detail gehe, drei Grundsätze, nach denen ich meine Renntag-Nahrung plane:

  • Konsistenz üben: Alles, was am Renntag passiert, kenne ich aus dem Training. Neue Produkte teste ich nie am Wettkampf.
  • Einfachheit: Wenige Produkte, klare Dosierungen und ein wiederholbares Timing reduzieren Stress und Magenreize.
  • Flüssigkeitsbasierte Energie bevorzugen: Flüssigkeiten und leicht verdauliche Gels vertrage ich deutlich besser als viele feste Nahrungsmittel bei langen Anstiegen.
  • Kalorien- und Elektrolyt-Ziel für 4–6 Stunden

    Für Läufe dieser Dauer ziele ich normalerweise auf:

  • Energie: 200–300 kcal pro Stunde (je nach persönlichem Verbrauch, Intensität und Gewicht).
  • Kohlenhydrate: 40–70 g/h – eine Kombination aus Glukose und Fruktose ist hilfreich, um Aufnahmekapazität zu erhöhen.
  • Elektrolyte: ~300–800 mg Natrium pro Stunde (abhängig von starkem Schwitzen), plus kleinere Mengen Kalium und Magnesium.
  • Beispiel: Bei einem 5‑Stunden-Lauf strebe ich 1000–1400 kcal und insgesamt 1,5–3 g Natrium pro Stunde an (bei starkem Salzverlust eher am oberen Ende).

    Warum Gels + Elektrolyte (statt nur Riegel)

    Gels sind konzentriert, schnell verfügbar und belasten den Magen weniger, wenn sie mit der richtigen Flüssigkeitsmenge eingenommen werden. Kombinationen aus Gels und elektrolythaltigen Getränken sorgen für:

  • schnelle Energie
  • bessere Flüssigkeitsaufnahme
  • Vermeidung von Krämpfen durch Natriumversorgung
  • Ich kombiniere oft: 1 Gel + 200–300 ml elektrolythaltiges Getränk pro Stunde. Das gibt mir eine gleichmäßige Zufuhr ohne hartes Essen.

    Meine Standard-Produkte und warum

    Marken sind kein Dogma, aber ich nenne, was ich nutze:

  • Treibstoff / Gels: Maurten Gel (leicht verträglich dank Hydrogel-Technologie), SIS GO Isotonic Gels (kein zusätzliches Wasser nötig), GU Roctane (wenn ich extra Elektrolyte im Gel will).
  • Elektrolytgetränke: Tailwind Endurance (komplettes Paket: Kalorien + Elektrolyte), Skratch Labs Hydration Mix (sehr verträglich), oder selbstgemischte Varianten mit Maltodextrin + Salz + Fruchtgeschmack.
  • Salztabletten: Nützlich bei starkem Salzverlust; ich verwende sie situativ, meist wenn es richtig warm ist oder ich viel schwitze.
  • Konkretes Renntag-Setup (mein Standard für 4–6 h)

    Hier meine erprobte Routine, die ich genau so im Training geübt habe:

    Vor dem Start (30–60 min)200–300 kcal: leichtes Frühstück (z. B. Haferbrei mit Banane oder Toast & Honig) + 300–400 ml Wasser mit einem kleinen Elektrolytzusatz
    Start – Stunde 11 Gel (ca. 80–100 kcal) + 300 ml Elektrolytgetränk (ca. 60–80 kcal) — Ziel: ~140–180 kcal, 300–400 mg Natrium
    Stunde 21 Gel + 300 ml Elektrolytgetränk oder wenn ich Trailnahrung will: 1 kleines Stück Banane + 1 Salztablette
    Stunde 31 Gel (oder 2 halbe Gels, je nach Verträglichkeit) + 300–400 ml Elektrolytgetränk
    Stunde 4 (bis 6)Weiter im 1 Gel + 300 ml Pattern; bei Nähe zum Ziel reduziere ich feste Nahrungszufuhr, bleibe aber bei Elektrolyten

    Das ergibt ungefähr 200–250 kcal/h und 400–700 mg Natrium/h – für mich ein guter Kompromiss zwischen Energie und Magenkomfort.

    Dosierung und Timing von Gels

    Wichtig ist nicht nur die Menge, sondern auch das Timing:

  • Start mit einem Gel spätestens nach 30–45 Minuten, damit die Kohlenstoffspeicher nicht absinken.
  • Danach alle 30–45 Minuten ein Gel (je nach Marke und persönlicher Toleranz).
  • Bei Mariendistel- oder Koffein-Gels: Vorsicht mit Koffein-Dosen – ich rechne Koffein gesamt pro Stunde (max. 3–6 mg/kg über mehrere Stunden, individuell variabel).
  • Flüssigkeitsmenge und Temperatur

    In den Alpen schwitze ich oft weniger bei kühler Luft, aber Flüssigkeitsverlust passiert trotzdem. Mein Richtwert:

  • ~300–400 ml pro Stunde als Basis (mehr bei warmen Bedingungen und hohem Tempo).
  • Getränke nicht eiskalt – sehr kaltes Wasser kann Magenreizungen verursachen. Handwarm oder kühl ist ideal.
  • Selbstgemachte Elektrolyt- und Gel-Alternativen

    Manchmal mixe ich meine eigenen Lösungen – besonders praktisch, wenn ich Kartons vermeiden will:

  • Einfaches elektrolythaltiges Getränk: 500 ml Wasser + 30–40 g Maltodextrin oder Traubenzucker + 300–500 mg Natrium (ca. 0,5–1 g Salz) + Zitronensaft für Geschmack.
  • Soft-Gel-Alternative: Dünne Apfelmus-Portionen mit etwas Traubenzucker vermischt – besser verträglich als fester Riegel.
  • Tipps, wenn der Magen rebelliert

    Falls ich Übelkeit spüre, habe ich eine Checkliste:

  • Stoppe feste Nahrung sofort.
  • Wechsle auf verdünnte Elektrolytlösung (mehr Flüssigkeit, weniger Zuckerkonzentration).
  • Versuche kleine Schlucke statt ganzer Gels. Manchmal hilft auch ein Stück salziges Cracker, um Magen und Salzhaushalt auszubalancieren.
  • Reduziere Leistung für 10–20 Minuten (langsamer bergauf laufen, gehpausen), oft beruhigt sich der Magen.
  • Wenn anhaltendes Erbrechen oder Krämpfe auftreten, Risiko abwägen und ggf. Rennen abbrechen.
  • Praktische Pack- und Logistik-Tipps

    Mein Packplan für Trinkrucksack oder Weste:

  • 1 Liter (oder mehr) Elektrolyt-Getränk in der Flasche/TRINKBLASE
  • 4–6 Gels in leicht zugänglichen Taschen
  • 1–2 Salztabletten in einer kleinen Dose
  • Eine kleine Snack-Reserve (halbe Banane, ein Energieriegel) für Notfälle
  • Ich markiere Gels mit der Reihenfolge, in der ich sie nehmen möchte (z. B. mit kleinen Aufklebern). Das klingt pedantisch, spart aber Zeit und Stress auf technisch anspruchsvollen Abschnitten.

    Training macht den Unterschied

    Mein wichtigster Rat: Übe dieses Setup in mindestens 3–4 langen Trainingsläufen vor dem Rennen – idealerweise unter ähnlichen Bedingungen (Höhe, Temperatur, Terrain). Passe Mengen und Marken an, bis dein Magen stabil bleibt. Nur durch Wiederholung lernst du, wie dein Körper reagiert und wann du besser reduzierst oder nachlegst.